E-Firmenwagen und Co.: Marderschäden im Fuhrpark teurer als gedacht

Klingt nach Randthema, ist aber im Fuhrpark ein echter Kostentreiber. Wo die Risiken liegen, welche Schutzmaßnahmen wirklich helfen und warum Sie jetzt einen Blick in den Versicherungsvertrag werfen sollten.

Schaden und Versicherung

Das Wichtigste in Kürze


  • Steinmarder verursachen in Österreich besonders im Frühjahr und Sommer hohe Schäden im Motorraum

  • Typisch betroffen sind Zündkabel, Schläuche, Lambdasonden und Dämmmatten, mit oft teuren Folgeschäden

  • Bei E-Fahrzeugen heikel: Hochvoltkabel müssen komplett ersetzt werden, nicht repariert

  • Wirksamster Schutz laut ÖAMTC: Elektroschockgeräte nach dem Weidezaunprinzip

  • Nicht jede Kfz-Versicherung deckt Marderschäden und Folgeschäden vollständig ab

Warum Marder im Fuhrpark teuer werden

In Österreich ist vor allem der Steinmarder unterwegs, ein knapp drei Kilo schweres Tier mit 38 scharfen Zähnen, das den warmen Motorraum als Versteck und Vorratskammer schätzt. Die Aktivitätsspitzen liegen im Frühjahr und Sommer während der Paarungszeit, sowie im Herbst während der Quartiersuche.

Besonders heikel wird es für Fahrzeuge, die zwischen zwei Standorten pendeln und an wechselnden Plätzen im Freien parken. Trifft ein Fahrzeug auf fremdes Marderrevier, kommt es zu Bissattacken aus Revierverteidigung, oft mit erheblichen Schäden. Genau dieses Risikoprofil trifft auf viele Handwerks- und Servicebetriebe zu: Mitarbeiter pendeln mit dem Firmenfahrzeug zur Baustelle, zum Kunden, oder zwischen Standorten.

Was Marder konkret beschädigen

Typisch betroffene Bauteile:

  • Zündkabel

  • Kühlwasser- und Bremsschläuche

  • Scheibenwaschanlage

  • Lambdasonden-Kabel

  • Dämmmatten

Die direkten Reparaturkosten sind oft moderat. Richtig teuer werden die Folgeschäden: defekte Schläuche führen zu Motorüberhitzung, durchgebissene Lambdasonden-Kabel können den Katalysator zerstören, und ausgelaufenes Kühlwasser zieht weitere Aggregate in Mitleidenschaft. Aus einer überschaubaren Bissattacke wird so schnell eine vierstellige Reparaturrechnung.

Besonderheit bei E-Fahrzeugen

Bei elektrisch betriebenen Fahrzeugen kommt eine wichtige Besonderheit dazu: Hochvoltkabel dürfen aus Sicherheitsgründen nicht repariert werden. Wird ein solches Kabel angebissen, muss der gesamte Kabelsatz getauscht werden. Schäden sind seltener als bei Verbrennern, aber wenn sie auftreten, sind sie deutlich teurer.

Mit dem steigenden E-Anteil in Firmenflotten wird dieses Risiko relevanter. Hier lohnt es sich, bei der Beschaffung schon mitzudenken, welche Schutzmaßnahmen werkseitig oder als Nachrüstung verfügbar sind.

Was am besten funktioniert:

Elektroschockgeräte nach dem Weidezaunprinzip sind die wirksamste Lösung. Beim Öffnen der Motorhaube schalten sie automatisch ab, sind also für Werkstattpersonal ungefährlich.

Ultraschallgeräte halten manche Tiere fern, andere gewöhnen sich daran. Die Wirkung ist individueller als bei Elektroschock.

Hartkunststoff-Ummantelungen schützen Zündkabel, nicht aber Schläuche, Achsmanschetten oder Dämmmatten. Sie sind eine punktuelle Maßnahme, kein Komplettschutz.

Garage statt Freiparker ist effektiv, aber im Fuhrpark oft nicht umsetzbar.

Hundehaare aufs Auto verstreuen ist ein Hausmittel mit gemischtem Ruf. Wenn Sie es mal getestet haben, schreiben Sie uns gerne.

Nach einem Befall: Was sofort zu tun ist

Nach einer Bissattacke ist eine professionelle Motorwäsche unverzichtbar. Der Grund: der angegriffene Marder hat Duftmarken hinterlassen, die andere Marder anziehen. Diese Folgeattacken sind oft besonders aggressiv, weil das fremde Revier maximal abgesteckt werden soll. Wer nicht wäscht, riskiert in Kürze den nächsten Schaden.

Idealerweise kombinieren Sie nach einem Befall:

  • Komplette Motorwäsche (in einer Werkstatt, nicht in der Selbstwaschanlage)

  • Reparatur der direkten und der Folgeschäden

  • Nachrüstung mit Elektroschock oder zumindest Hartkunststoff an den kritischen Stellen

Der oft übersehene Punkt: Ihre Versicherung

Hier wird es im Fuhrpark teuer. Nicht jede Kfz-Versicherung in Österreich deckt Marderschäden automatisch ab. Und selbst wenn der direkte Schaden gedeckt ist, sind die teuren Folgeschäden (Katalysator, Motor, Achsgelenke) in vielen Tarifen ausgeschlossen. Genau dort entstehen aber die hohen Summen.

Worauf Sie im Vertrag konkret achten sollten:

  • Sind Marder- und Tierbissschäden in der Teilkasko mitversichert?

  • Werden Folgeschäden mitabgedeckt oder nur der Erstschaden?

  • Bis zu welcher Summe ist gedeckt?

  • Gibt es eine Selbstbeteiligung, und wie hoch ist sie pro Schaden?

Bei mehreren Fahrzeugen in der Flotte summiert sich das schnell. Ein Vertrag mit eingeschlossenen Folgeschäden kostet typischerweise nur wenig mehr, kann Ihnen im Schadensfall aber tausende Euro ersparen.

Was Betriebe jetzt prüfen sollten

  • Versicherungsverträge prüfen, gezielt auf Marder- und Folgeschäden

  • Risikoanalyse pro Fahrzeug: Welche pendeln zwischen Standorten? Welche stehen im Freien?

  • Nachrüstung mit Elektroschockgeräten für die Fahrzeuge mit höchstem Risiko

  • Werkstattpartner identifizieren, der Motorwäsche und Reparatur schnell kombinieren kann

  • Fahrer sensibilisieren: Bei Warnleuchten oder verändertem Fahrverhalten frühzeitig in die Werkstatt


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